„Kurze Einführung in die Geschichte der Herkunft des slavoserbischen Volkes" (1765) von Paul Julinac

von Nikola Radojčić



Auszug aus der im „Rad“ JAZU" Bd. 237. S. 1—37, veröffentlichen Abhandlung.


Die erste serbische Geschichte gab Paul Julinac, ein Serbe in russischen Diensten, im Jahre 1765 unter obigem Titel heraus. Über den Verfasser war bis jetzt sehr weniges bekannt. Im Anhang zu dieser Untersuchung sind zum erstenmal sehr wichtige Dokumente abgedruckt, die ein interessantes Licht auf das Leben des Verfassers werfen; dadurch werden manche bisherige Ansichten über ihn und besonders über sein Todesjahr berichtigt; er war im Jahre 1783 noch am Leben.
Weder die Liebe zur Geschichte noch die Geschichtsschreibung selbst hat Julinac in Rußland lernen können, da das Interesse für historische Studien im damaligen Rußland sehr gering war; das wird in dieser Untersuchung durch Beispiele bewiesen. Ihn aber zog die Geschiche an wie alle damaligen Serben, denen keine Wissenschaft lieber war, weil sie in ihr das Mittel sahen, das Nationalgefühl lebendig zu erhalten und die Liebe zur verlorenen Freiheit zu vertiefen. Aus diesen Gründen hat es auch Julinac unternommen, seine serbische Geschichte zu schreiben. Bis jetzt war es unbekannt, welche Quellen er hauptsächlich benützt hat und was der Hauptzweck dieses interessanten Werkes ist. Hier ist nachgewiesen, daß sich Julinac bei der Abfassung seiner serbischen Geschichte, soweit es ihm möglich war, an das berühmte Werk „Illyricum vetus et novum" (1746) gehalten hat, in dessen mittlerem Teil sein Verfasser, Johann Tomka Szászky, alle die Abschnitte aus Du Cange's klassischem Werk „Historia byzantina duplici commentario illustrata" (1680) abgedruckt hat, die sich auf die Südslaven beziehen. Außerdem hat er einen Auszug aus den umfangreichen ungedruckten Chroniken des Grafen Georg Branković benützt. Er änderte seine Vorlagen aus Unwissenheit, sowie auch aus konfessionellen und patriotischen Gründen; interessantere Beispiele sind in der Untersuchung angeführt. Besonders mangelhaft war seine Kenntnis der Geographie.
Julinac ist ein bescheidener Schriftsteller. Der Zweck seiner Arbeit ist ein patriotischer. Seine Quellen sind gering an Zahl ; außer den schon genannten hat er nur noch einige wenige benützt (alle sind in der Untersuchung aufgezählt). Besonders wichtig ist, daß er auch Urkunden herangezogen hat; so ist er der erste Herausgeber einer serbischen Urkunde mit goldenem Siegel. Die Art seiner Darstellung ist höchst primitiv. Seine Sprache ist ein Gemisch von Slavoserbisch und Russisch.
Julinac' Werk fand eine ausgezeichnete Aufnahme. Es wurde von Serben viel gelesen und nachgedruckt. Im Ausland erfreute es sich eines größeren Ansehens als sein wissenschaftlicher Wert es verdient hätte, weil man die von ihm erwähnte „serbische Handschrift" für viel älter hielt. Der Geschichtschreibung allgemein bekannt wurde Julinac durch das lateinisch geschriebene Werk: Pejacsevich F. X., Historia Serviae (1797 und 1799),. dessen Verfasser sehr viel aus seiner serbischen Geschichte geschöpft hat.



In: Bulletin international de l’Académie Yougoslave des sciences et des beaux-arts de Zagreb ; classes : d' histoire et de philologie ; de philosophie et de droit; des beaux-arts et belles lettres. — Livre 4. (1931) 97-98.

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